Stichwort: Paralleles Lernen
Ein Insider schrieb:
In Ihrem Buch „Das neue ‚Stroh im Kopf?‘“ schreiben Sie, dass Ihnen Erfahrungsberichte zum Parallel-Lernen höchst willkommen sind (S.202, obere Häflte).Hier ist meiner..
Ich bin 20 Jahre alt, Student der Humanmedizin in Graz, Österreich. Ich habe vorher vier Jahre Volksschule (Grundschule) und acht Jahre Real-Gymnasium (Mittelschule) besucht, abgeschlossen mit Matura in Physik, Mathematik und Latein (als mündliche Fächer). Unbewusst habe ich parallel-gelernt wahrschein lich schon seit einigen Jahren. Es ist mir immer –interessanterweise – leichter gefallen, zu lernen, wenn ich nebenbei noch etwas anderes gemacht habe. Das war zum Beispiel, einen Brief schreiben,Musik hören oder einfach mehrere Dinge gleichzeitig lesen. Momentan z.B. lerne ich Medizinisch Physik, lese Ihr Buch, höre Musik und schreibe diesen Text. Das ist vielleicht etwas mehr, als Sie in Ihrem Buch unter Parallel-Lernen beschreiben, aber es sind oft gerade solche Situationen – ich lerne aber nicht ausschliesslich so – die mir immer wieder recht kreative Ideen bescheren. Ich plane z.B. momentan gerade einen Irland-Aufenthalt im Sommer dieses Jahres. Fuer diesen Aufenthalt habe ich einige gute Ideen waehrend dem lernen gehabt.
Interessanterweise kann ich auch, wenn ich mit anderen unterhalte (am Telefon, im Auto waehrend dem fahren, im Bus, …) auch gleichzeitig auf lernen konzentrieren. Deswegen geschieht es mir immer wieder, dass ich waehrend eines Gespraechs mit anderen gewisse Inhalte hervorrufe und darueber nachdenke. Inwieweit das als Wiederholung zaehlt, kann ich nicht genau sagen. Ich habe aber das Gefuehl, dass ich dadurch sehr viel weniger Zeit fuer bestimmte Stoffgebiete benoetige. Und was mir auch aufgefallenist: Den Personen, bei denen ich eben diese „parallelen“ Gedankengaenge habe, faellt es gar nicht auf, dass ich nicht hundertprozentig bei der Sache bin. Eine weitere Sache scheine ich mit dem parallelen lernen zu verbinden: Je weniger ich mich auf das lernen an sich konzentriere, desto leichter lerne ich. D.h. je weniger sich mein Gehirn (oder ich mich…) mit dem Inhalt beschaeftige, und je mehr ich mich ablenke, desto besser und schneller und einfach scheine ich mir gewisse Dinge zu merken. Momentan muss ich besonders Formelinhalte (Physik, Sie erinnern sich?) lernen. Die Professoren an der Universitaet haben da sehr verschiedene Ansichten: manche raten dazu, Formeln zu lernen und davon die Sachverhalte abzuleiten. Manche raten dazu, nur die Sachverhalte zu lernen und umgekehrt die Formeln davon abzuleiten Ich verwende allerdings keine dieser – im Prinzip sicherlich nicht schlecht nachzuvollziehenden - Techniken.
Etwas, was weniger mit parallel lernen aber vielleicht mit parallel-merken zu tun hat, ist meine Erinnerung an fruehere „Zeiten“. Ich assoziiere mit verschiedensten Musikstuecken, die ich zu betreffenden Zeiten gehoert habe, Stichwoerter, Geschichten und Situationen. Hauptsaechlich dabei solche Situationen, wo sich Musik und Erinnerung parallel ereignet haben.


Lieber Herr Tschoellitsch,
danke für Ihren Bericht. Wenn Sie im NEUEN Stroh-Buch (nach 36. Auflage) das Modul "gehirn-gerecht machen von Informationen" ansehen, werden Sie wahrscheinlich einige parallelen zu Ihrem Vorgehen feststellen. Desweiteren habe ich in den letzten Jahren festgestellt, daß sehr wenige Männer parallel lernen können - das fällt anscheinend Frauen (im allgemeinen) leichter. Jedenfalls gibt es einige Leute (inkl. meiner Person), die teilweise vier und fünf parallele Kanäle aufbauen könen, sofern keiner davon 100% Aufmerksamkeit erfordern würde (z.v. autofahren). Solange jeder Kanal es zuläßt, daß er mehr oder weniger in den vorder-/Hintergrund gerückt werden darf, geht das sehr gut.
Übrigens haben Sie Ihren Beitrag als PERSÖNLICH ausgewiesen. Dürfen wir ihn in die Wandzeitung stellen? Er könnte anderen Mut machen, a) selbst zu experimentieren bzw. b) ebenfalls zu berichten?
Das wäre nett.
Noch einmal vielen Dank für Ihr Feedback.
Alles Gute, weiterhin
Ihre vfb :-)